Ausgabedatum: 26.04.2016

Wert: 9,00 DKK. Nummer: FO 831. Briefmarkenformat: 55 x 33 mm. Foto: Fotostudio. Drucktechnik: Offset. Druckerei: Cartor Security Printing, Frankreich. Gebührensatz: Kleinbriefe auf den Färöern - 0-50 gr

Norden 2016: Färöische Spezialitäten

Thema der diesjährigen gemeinsamen nordischen Briefmarkenausgabe ist die nordische Küche. Der färöische Beitrag zeigt traditionelle färöische Produkte, die in einem sogenannten „hjallur“ aufbewahrt werden.

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Der Ersttagstempel zeigt die aufgehängten Hasen.

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Ein „hjallur“ ist die färöische Variante der Speisekammer mit Lattenw
änden, die ganzjährig für eine gute Durchlüftung sorgen. Der luftdurchlässige Holzschuppen dient als Kühlraum und gleichzeitig zur Konservierung von Lebensmitteln.



Die Lage der Färöer mitten im Nordatlantik hatte schon immer eine entscheidende Bedeutung für die Lebensmittelkonservierung und damit für die färöische Küche. Die grasbewachsene, baumlose Landschaft konnte im Laufe der Jahrhunderte nicht zu einer besonders fortschrittlichen Landwirtschaft beitragen, und der Getreideanbau war schwierig. Es heißt sogar, es habe durchschnittlich alle drei Jahre eine Missernte gegeben. Von einem gewissen Getreideimport war man daher immer abhängig, und in der letzten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts gab man den Anbau von Getreide schließlich ganz auf. Stattdessen entwickelte sich die Kartoffel nach ihrer Einführung Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer wichtigen Feldfrucht. Zusammen mit gelegentlich angebauten Steckr
üben und importiertem Getreide wurde sie zur Grundkomponente der färöischen Küche.



Auf der linken Seite der Briefmarke sind vier Hasen zu sehen, die zum Reifen aufgehängt wurden. Der Hase ist das einzige Landsäugetier, das Färinger bejagen. Er wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zu eben diesem Zweck eingeführt und ist jetzt auf den meisten Inseln zu finden. Der Reproduktionszyklus des Hasen prädestiniert ihn als Jagdobjekt, denn er vermehrt sich dreimal jährlich. Jedes Jahr werden schätzungsweise ca. 7.000 Hasen erlegt.

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Neben den Hasen sind vier sogenannte „grindalykkjur“ zu sehen, Fleisch vom Grindwal, das an der Luft trocknen soll. Der Grindwal hat auf den Färöern seit jeher eine sehr wichtige Rolle als Fleischlieferant gespielt. Außer in frischem Zustand gekocht mit Speck gegessen zu werden, wird Grindwalfleisch auch gepökelt und getrocknet. In abgehangenem Zustand (halbtrocken und leicht fermentiert) kann es ebenfalls gekocht werden, was besonders für Fleisch minderer Qualität, Rippen, Schulterstücke usw. gilt. Die luftgetrockneten „lykkjur“ auf dem Bild werden zusammen mit Walspeck gegessen, der entweder trocken oder in Salzlake gepökelt wird und als Delikatesse gilt.

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Daneben hängen zwei „greipur“ mit Fischen zum Trocknen. Fische werden jeweils paarweise zu einem sogenannten „greipa“ zusammengebunden und zum Trocknen aufgehängt. In der ersten Zeit erfolgt eine gewisse Reifung und Fermentierung des Fischs, was ihm einen kräftigen Geschmack verleiht. In diesem ersten Stadium nennt man das Produkt „ræstur fiskur“, fermentierten Fisch, der gekocht serviert wird. Dazu gibt es entweder trocken oder nass gepökelten Walspeck, „sperðil“, eine Art Fettwurst aus Schafstalg im Darm, oder „garnatálg“. „Garnatálg“ besteht aus gereinigten Schafsdärmen, die man fermentieren lässt. Nach einiger Zeit werden die Därme gemahlen und mit frischem Schafstalg vermischt. Das Ergebnis ist ein sehr kräftig schmeckender Talg, der geschmolzen über den gereiften Fisch und die Kartoffeln gegossen wird.

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Wenn man den fermentierten Fisch noch länger hängen lässt, wird er zu Stockfisch. Dieser Trockenfisch ist sehr hart und muss vor dem Essen weichgeklopft werden. Als Beilage zum Stockfisch serviert man trocken oder nass gepökelten Walspeck oder Butter sowie Kartoffeln.



Einer der Grundsätze der traditionellen färöischen Küche ist die restlose Verwertung. Deshalb hängen auch „mørur“ in unseren „hjallur“. „Mørur” sind die Eingeweide und Organe eines geschlachteten Schafs, die im Herbst Teil der traditionellen Kost sind. Von den zahllosen Gerichten, die aus diesen Zutaten zubereitet werden können, sollen hier nur zwei genannt werden. „Tálgalivur“ ist mit Schafstalg und meist auch mit Zwiebeln und Pfeffer gefüllte Schafsleber. „Blóðmørur“ ist eine Art Blutwurst aus Blut, Mehl, Talg und manchmal auch Rosinen, die in gereinigte Schafsmägen gefüllt wird. Der Talg und die Schafsmägen sind in der Schüssel in der Mitte des Bildes zu sehen.

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Ein weiteres Beispiel dafür, dass alles restlos verwertet werden kann, sind die Kabeljauköpfe direkt über der Schüssel. Wenn sie groß genug sind, sind Fischköpfe eine hervorragende Speise. Aus ihnen lassen sich „kjálkar“, Fischbäckchen, herausschneiden, die frisch oder gepökelt gebraten oder gekocht werden, sowie „lippur“, ein Teilstück, das aus der Zunge und dem fetten Fleisch unter dem Kinn besteht.
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Neben den „mørur“ hängen zwei Trottellummen. Seevögel sind traditionell ebenfalls immer ein Teil der färöischen Küche gewesen. Am häufigsten werden Trottellummen, Alke, Papageitaucher und Eissturmvögel gegessen, auf der Insel Mykines ist auch der Basstölpel ein geschätzter Speisevogel. Das Angebot an Vögeln ist jedoch begrenzt und schwankt im Laufe der Zeit. Für die Vogeljagd gibt es zudem sehr strenge Naturschutzauflagen.
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Wenn die Schafe im Herbst geschlachtet werden, werden so gut wie alle Tiere zum Reifen und Trocknen aufgehängt. In der ersten Zeit erfolgt eine gewisse Fermentierung wie beim Fisch, doch die Trocknung erfolgt in drei Stadien. Nach Weihnachten erreicht das Fleisch ein Stadium, in dem man es „ræst“ nennt, also fermentiert und halbtrocken. „Ræst“ Fleisch hat einen typischen strengen Geschmack (und Geruch). Es ist eine hochgeschätzte Delikatesse, die gebraten oder gekocht serviert wird, aber auch eine hervorragende Suppe ergibt.

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Nachdem das Fleisch zwei weitere Monate abgehangen hat, ist es trocken und kann ohne weitere Zubereitung verzehrt werden. Getrocknetes Schaffleisch wird als Aufschnitt zu Schwarzbrot oder zum traditionellen ungesäuerten Brot „drýlur“ gegessen.


Das meiste Trockenfleisch wird in diesem Zustand gegessen. Lässt man es jedoch ein ganzes Jahr lang trocknen, wird es zu „skerpikjøt“. „Skerpikjøt“ ist trockener  und härter als das übliche Dörrfleisch.



Die drei Stadien von luftgetrocknetem Schaffleisch, „ræst kjøt“, „turt kjøt“ und „skerpikjøt“, gelten bei den meisten als die vorzüglichste Delikatesse der traditionellen färöischen Küche.



In den letzten Jahren hat sich bei den traditionellen Beilagen und der Zubereitung färöischer Spezialitäten einiges getan. Sterneköche haben mit den Speisen experimentiert, sie auf andere Art und Weise und mit ungewöhnlichen Zutaten zusammengestellt. Dies hat zu einer großen Auswahl ganz neuer Geschmackserlebnisse geführt, die auch Nichtfäringer ansprechen. Vor allem das Gourmetrestaurant „Koks“ in Tórshavn ist bekannt für seine gelungene Fusionsküche und Kochkunst mit fermentierten Zutaten.



Es muss noch hinzugefügt werden, dass die fermentierten und getrockneten Nahrungsmittel sich nur aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit und des hohen Salzgehalts in der färöischen Luft herstellen lassen, die ein Verrotten der Produkte verhindern. In den letzten Jahren wurden u. a. Experimente zur Lufttrocknung von dänischem Schweineschinken und Käse durchgeführt, die sich als ziemlich vielversprechend erwiesen haben.

Anker Eli Petersen

 

Quelle: Post Färöer

Ausgabetag: 29.06.2016

Wert: 50,00 DKK Nummer: FO 834. Briefmarkenformat: 40 x 30 mm. Künstler: Martin Mörck. Drucktechnik: offset. Druckerei: Cartor Security Printing, Frankreich. Gebührensatz: Einschreibebrief.

Fischleder 2012

Fischbriefmarken – im wahrsten Sinne des Wortes

Manchmal landen Aufträge auf meinem Schreibtisch, die mich wirklich verblüffen. Kreative Schöpfungen, die so ungewöhnlich und doch so naheliegend sind, dass man sich schmunzelnd an den Kopf fasst und ausrufen will: „Na klar! Wieso bin ich selbst noch nicht darauf gekommen?“

So ein Erlebnis hatte ich neulich, als Posta sich an mich wandte und fragte, ob ich nicht einen kleinen Artikel über ihre neue Briefmarke schreiben könnte, die – und genau hier weiteten sich meine Augen vor Verwunderung – aus Kabeljauhaut hergestellt sei.

„Kabeljauhaut“, dachte ich, „wie in aller Welt sieht das denn aus?“

Meine leichte Skepsis schwand jedoch schnell, als ich die Briefmarken sah. Im Prinzip wirkten sie wie normale Briefmarken, mit Text, Wertaufdruck und einer kleinen schraffierten Zeichnung des Meistergraveurs Martin Mörck. Doch da endete die Ähnlichkeit auch schon. Auf jeder Briefmarke klebte nämlich ein viereckiges Stück gegerbte Kabeljauhaut. Gar nicht grau und langweilig, wie ich – was ich zu meiner eigenen Schande gestehen muss – ursprünglich befürchtet hatte, sondern unglaublich schön und mit einem Muster in beinahe metallisch wirkenden Farbnuancen, die sich je nach Blickwinkel veränderten. Nach der Betrachtung mehrerer Marken konnte ich feststellen, dass alle verschieden waren – etwas, das man in der Briefmarkenbranche sonst tunlichst vermeidet.

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Wie dem auch sei, Posta gibt im September jedenfalls wunderschöne Briefmarken mit Kabeljauleder heraus.

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Der Fisch wurde vor den Färöern gefangen, die Haut von der Fischfabrik Nevið in Runavík geliefert und bei Atlantic Leather in Island gegerbt. Gedruckt wurden die Briefmarken bei Cartor in Frankreich.

Der atlantische Kabeljau (Gadus morhua) ist meist ca. einen Meter lang, kann jedoch auch eine Länge von bis zu zwei Metern und ein Höchstgewicht von 96 Kilo erreichen. Er kann bis zu 25 Jahre alt werden. Man findet ihn auf beiden Seiten des Atlantiks, im Osten von Novaja Semlja in der Barentssee über Spitzbergen und Jan Mayen bis hinunter zur Biskaya sowie in der Nord- und Ostsee. Sein Verbreitungsgebiet umfasst die Gewässer um die Färöer, Island und Grönland und reicht westlich von Labrador im Norden bis nach North Carolina im Süden.

Der Kabeljau ist normalerweise graubraun bis gelbgrün am Rücken und an den Seiten, mit grauen oder braunen Flecken und einem hellen Streifen an der Seite. Sein Bauch ist weiß oder grauweiß. Er kann jedoch je nach Lebensraum auch andere Farbvarianten aufweisen, z. B. dunkelbraun oder rotbraun, wenn er im Tang lebt.

Der Kabeljau ist wegen seines feinen Fleisches begehrt, vor allem der färöische Kabeljau, der fetteres Fischfleisch hat und nicht so mehlig oder trocken ist wie in anderen Regionen.

Obwohl es seit der Nachkriegszeit nicht besonders üblich war, ist das Gerben von Fischhaut eine uralte Kunst. Die Qualität von Fischleder variiert natürlich von Art zu Art, doch richtig behandelt ist Leder vom Kabeljau, Lachs oder Steinbeißer oft robuster als gewöhnliches Rindsleder.

Die Größe der Fischhäute bringt es mit sich, dass man das Leder vor allem für die Herstellung kleinerer Dinge wie Schuhe, Taschen, Geldbeutel und Uhrarmbänder verwendet hat, doch zusammengenäht kann es auch in der Bekleidungsindustrie und für Möbelbezüge eingesetzt werden. Moderne Designer erkennen in wachsendem Maße die praktische Verwendbarkeit und Schönheit von Fischleder – und nutzen es außer für die bereits erwähnten Artikel für zahlreiche andere Zwecke, z. B. für Schmuck, Gürtel, Bucheinbände und Bildcollagen.

Da sich eine steigende Tendenz abzeichnet, den gefangenen Fisch möglichst vollständig zu verwerten, wird es in den nächsten Jahrzehnten sicher zu einer verstärkten Nutzung von Fischhaut kommen. Diese wird sich nicht auf das Gerben der Haut beschränken, sondern ein breiteres Spektrum einnehmen. Beispielsweise in der industriellen Herstellung von Fischgelatine, die in der Lebensmittelindustrie sowie in modernen Hochtechnologien wie Elektronik und Optik eingesetzt werden kann. Darüber hinaus kann Eiweiß aus Fischhaut in der Ernährungsindustrie und zu Vollwertkost verarbeitet werden.

Nur die Phantasie setzt die Grenzen für die Nutzung des reichlichsten Rohstoffs der Färöer - Fisch. Und gerade jetzt schlägt Posta eine Schlacht für den vergessenen Schatz, der in den vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten von Fisch liegt, und gibt einzigartige Briefmarken mit wunderschön gemustertem Kabeljauleder heraus.

Anker Eli Petersen

 

Quelle: Post Färöer

Ausgabetag: 12.02.2007 -
Werte: 10 x 5,50 kr.
Briefmarkenformat: 30,0 x 43,0 mm -
Bogenformat: 174 x 120 mm -
Drucktechnik: Offsett -
Druckerei: Österreichische Staatsdruckerei, Österreich -
Gebührensatz: Briefe auf den Färöern bis zum 20 gr.

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Die Sage von der Robbenfrau ist eine der bekanntesten Sagen in den nordatlantischen Küstengebieten. Die Sage ist eine anrührende Erzählung von Begebenheiten, die alle Küstenkulturen wiedererkennen werden.

Die Thematik befasst sich mit den großen Mysterien des Lebens, wie mit Liebe, Betrug, bösen Taten und Tod, dem Schönen und dem Bösen, der Reinheit und der Güte. Ein Thema also, das alle Menschen etwas angeht. Deshalb ist es nur natürlich, dass die Geschichte immer beliebt gewesen ist. Auch der heutige Mensch wird von dieser schönen Mär gefangen genommen.

Zwei der färöischen Orte sind in besonderem Grad mit dieser Sage verknüpft. Insbesondere handelt es sich um den Ort Mikladalur auf Kalsoy, weil die Sagenvariante, die V. U. Hammershaimb in der Färöischen Anthologie 1891 wiedergab, von dort stammt. Außerdem gibt es ein Lied, für das diese Sage die Grundlage bildet. Es handelt von einem Bauernsohn von Mikladalur, der dem nackten Robbenmädchen das Haarkleid nimmt, so dass es nicht ins Meer zurückkehren kann, sondern gezwungen ist als seine Frau zu leben, bis sie viele Jahre später den weggeschlossenen Robbenpelz findet und endlich wieder zu ihrem Robbenmännchen zurückkehren kann, der die ganze Zeit vor dem Landungsplatz auf sie gewartet hat. Man sagt, dass die Nachkommen des Bauernsohns und der Robbenfrau Hände haben, die an die Vorderflossen der Robben erinnern. Eine ähnliche Sagenvariante wird von den Bewohnern auf Hamar in Skálavík auf Sandoy erzählt.

Die Variante von Mikladalur endet auf die denkbar schlimmste Weise. Die Sage berichtet, dass die Männer auf Robbenfang gehen sollten. Die Nacht zuvor erscheint die Robbenfrau dem Bauernsohn im Traum und bittet ihn, ihren Mann und ihre zwei neugeborenen Jungen zu verschonen. Sie erzählt ihm, wo ihre Bruthöhle liegt, sodass dieser sie erkennen kann. Der Bauersohn macht jedoch genau das Gegenteil und tötet sowohl die Jungen als das Robbenmännchen. Danach kocht er das Fleisch zum Abendessen für sich und die Kinder. Jetzt kommt die Robbenfrau zurück, dieses Mal in der Gestalt eines furchterregenden Trolls, und verspricht blutige Rache. So viele Männer sollen in den Vogelbergen fallen, beim Fischen ertrinken oder auf andere Weise draußen umkommen, dass diese zum Schluss die gesamte Insel Kalsoy umringen können. Diese Anzahl hat man wohl noch nicht erreicht.
 

Dieses grausame Ende kennt man nicht überall, z.B. nicht in der Variante von Skálavík.

Im weitesten Sinn ist dies eine Sage von Mensch und Natur. Die Natur gibt und sie nimmt. Der Mensch lebt von der Natur, darf sich jedoch nicht gegen sie richten. Der Mensch bestimmt nicht über die Natur, und falls jemand dies versucht, können die Folgen genau so schlimm werden wie hier. Die Sage lässt sich auch religiös auslegen, dann aber als eine Geschichte über die Herausforderung von Gott, der alles schöpft, dem alles gehört und der alles bestimmt.

Das Bild der Robbe als Mensch ist naheliegend für Leute, welche die Robben kennen und die Möglichkeit hatten, dieses elegante und wendige Tier zu betrachten, und es ist nicht schwer, sich ein Menschenleben im Robbenpelz vorzustellen. Solche Vorstellungen über ein allbekanntes Tier in seiner natürlichen Umgebung hat es immer gegeben. Sie leben mannigfaltig in mündlicher Tradition, hauptsächlich in poetischer Form.

Die Moral der Geschichte ist leider sehr aktuell in unseren Tagen, wenn man das Verhalten des Menschen gegenüber der Natur bedenkt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass viele die Geschichte als außerordentlich relevant ansehen. In diesen Zeiten ist es hauptsächlich die globale Erwärmung mit den daraus folgenden drohenden klimatischen Änderungen, weil wir die Natur so schlecht behandeln, die Besorgnis erregt. Überzeugte Pessimisten meinen, dass die Rache der Natur weitaus schlimmer werden kann als die der Robbenfrau. Diejenigen, die ihren redlichen Kampf für eine reinere Umwelt und mehr Respekt vor der Natur kämpfen, könnten diese färöische Sage vielleicht in ihre Ideegrundlage einfließen lassen.

Eyðun Andreasen 

 

Quelle: Post Färöer

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Ausgabedatum: 24.02.2020.
Werte: 20,00 DKK.
Briefmarkenformat: 40,0 x 30,0 mm.
Künstlerin: Astrid Andreasen.
Drucktecknik: Offset + UV-Lack.
Druckerei: Cartor Security Printing, Frankreich.
Gebührensatz: Kleinbriefe nach Ausland 0-50 gr.

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Neben der Briefmarke wurde auch ein Markenheftchen herausgegeben.

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Robbenbaby
Wenn ein Robbenjunges zur Welt kommt, hat es einen dicken weißen Pelz. Mit seinen großen Kulleraugen sieht es so niedlich aus, dass einem beim Anblick dieses runden und kuscheligen Wesens ganz weich ums Herz wird. Jeder möchte es gern in den Arm nehmen und knuddeln.

Inzwischen gibt es Unmengen von Nachbildungen süßer kleiner Robben. Für viele Kinder ist es ihr Lieblingskuscheltier, das sie zur Schlafenszeit mit ins Bett nehmen. Auch Erwachsene sind oft ganz verzückt von diesem flauschigen, knopfäugigen Fellknäuel.

Astrid Andreasen hat sich mit ihren Farbstiften wieder konzentriert über ein Blatt Papier gebeugt. Dank ihrer Vorstellungskraft und geschickten Hände hat sie uns ein weiteres Mal ein Meisterwerk beschert. Ihre Zeichnung gibt das Robbenbaby lebensecht und liebenswert wieder. Astrid Andreasen ist eine Meisterin der bildlichen Umsetzung aller Dinge, die mit der Natur und vor allem mit dem Meer zu tun haben. Wir auf den Färöern können uns glücklich schätzen, eine so talentierte Künstlerin wie Astrid Andreasen zu haben.

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Die Robbe ist ein Säugetier. Robben kommen in allen Weltmeeren sowie einigen größeren Flüssen und Seen vor. Auf Färöisch heißt das Muttertier „opna“, das Vatertier „brimil“ und das Robbenjunge „nósi“. Weltweit gibt es 36 Robbenarten. In färöischen Gewässern sind sieben Arten bekannt, wobei hier auch das Walross (Odobenus rosmarus) mitgezählt ist. Die Kegelrobbe (Halichoerus grypus) ist das einzige Säugetier mit Flossen, das sich auf den Färöern vermehrt. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts warfen auch Seehunde ihre Jungen auf den Inseln.

Zwischen September und November ziehen sich weibliche und männliche Robben in ihre Höhlen zurück. Diese Höhlen liegen in den Felswänden am Ufer, alle dort zum Meer hin, wo die Wellen am heftigsten gegen die Felsen schlagen. Tief im Inneren dieser Höhlen werfen die Kegelrobbenweibchen ihre Jungen auf Sand, Kies oder felsigem Boden.

Die Robbe ist ein Tier, das zu Lande und zu Wasser lebt. An Land ist die Robbe sehr unbeholfen, aber sie ist eine hervorragende Schwimmerin und daher wie geschaffen für die Jagd im Wasser. Die Robbe kommt an Land, um sich auszuruhen, ihren Pelz zu wechseln und sich zu paaren. Sie hat jedoch auch viel mit Landtieren gemeinsam, denn wie andere Landtiere lässt sie sich stark von ihrem Geruchs- und Tastsinn leiten.

Ein Robbenjunges wiegt bei der Geburt ca. 15 kg. Der dicke weiße Pelz der kleinen Robbe schützt sie gegen Kälte. Wenn ein Robbenbaby ins Wasser fällt, kann es allerdings ertrinken, weil dieser Pelz sich mit Wasser vollsaugt und es in die Tiefe zieht. Es kann auch erfrieren, wenn es bis auf die Haut nass wird. Von September bis November sterben wegen des oft windigen Wetters deshalb viele Jungtiere.

Neugeborene Robben werden etwa zwei Wochen lang von ihrer Mutter gesäugt. Die Milch ist mit ca. 60 % Fett sehr nahrhaft, so dass Robbenjungen schnell wachsen. Ihre dicke Speckschicht schützt sie dann besser gegen die Kälte. Nach drei Wochen wiegt das Robbenbaby bereits 50 kg, verliert nach und nach seinen Pelz und muss nun selbst Nahrung finden.

In der Zeit von September bis November begeben sich die adulten Tiere wieder zur Paarung in die Höhlen, manchmal sieht man sie dabei auch auf dem Felsengrund. Die Weibchen werden im Alter von 5 bis 7 Jahren geschlechtsreif, die Männchen erst im Alter von 7 bis 9 Jahren. Auf der Speisekarte der Robben stehen Fische ganz oben, sie fressen jedoch ebenfalls Krabben und Tintenfische. Vereinzelt sollen Robben beim Vogelfang beobachtet worden sein.

Von der Landnahmezeit bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auf den Färöern Robbenjagd betrieben. Die Robbe hatte damals eine große Bedeutung für den Alltag der Färinger. Am Michaelistag, dem 29. September, ging man auf Robbenfang. Männer fuhren mit ihren Booten hinaus und drangen in die Höhlen ein, die ihnen als Robbenhöhlen bekannt waren. Als Lichtquelle hatten sie Öllampen dabei und Holzknüppel, um die Robben damit zu erschlagen. Das Robbenfleisch wurde verzehrt, der Speck zu Öl geschmolzen, und die Haut wurde getrocknet oder gegerbt und zu Schuhen oder Taschen verarbeitet.

Die Sage von der Robbenfrau, die im Ort Mikladalur an Land kam, ist inzwischen weltberühmt. 2007 gab Posta einen Kleinbogen mit Motiven dieser Sage heraus. Die zehn Illustrationen stammen aus der Feder des färöischen Künstlers Edward Fuglø.

In den letzten fünf Jahren hat ein steter Strom von Menschen aus aller Welt den Fjord nach Kallsoy überquert, um in Mikladalur die 2,6 Meter hohe und 450 kg schwere Statue des Bildhauers Hans Pauli Olsen zu bestaunen. Seine wunderschöne Interpretation der Robbenfrau steht dort auf dem Felsplateau Stórikneysi am Strand. Die Skulptur ist von großartiger Natur umgeben, sommergrünen oder winterweißen Bergen, spiegelglattem oder sturmgepeitschtem Meer.

Die meisten kennen die Geschichte von den Robbenjungen, die in dieser Sage von Menschenhand erschlagen werden.

Die Robbensage ist in vielen Ländern verbreitet. Es gibt sie in Grönland, auf Shetland, in Irland und Australien. Die grönländische Sage von der Mutter des Meeres endet jedoch versöhnlicher und mit der Moral, dass wir die Natur schützen sollen.

Zitat aus „Die Mutter des Meeres“:

„Der Mutter des Meeres gefielen die Missetaten der Inuit in der Siedlung nicht. Als Strafe fing sie am Meeresboden alle Beutetiere mit ihren prächtigen Haaren ein. Als der Blinde (der Mensch) zu ihr kam, um die Misere zu beenden, kämmte er ihr Haar, legte den Dreck auf einen Haufen und schmiss ihn anschließend weg.

In dem Moment wurde alles lebendig, und es erschienen Bären, Füchse, Mützenrobben, Bartrobben, Fjordrobben, Grönlandrobben, Seehunde, Walrosse, Narwale und viele verschiedene Vögel.“

Auf den Färöern wurde das niedliche, liebenswerte und kulleräugige Fellknäuel nun als Briefmarkenmotiv verewigt. Zusammen mit all den anderen wunderschönen färöischen Briefmarken geht das Robbenbaby ab jetzt rund um die Welt.
Gute Reise!

Mourits Mohr Joensen

 

Quelle: Post Färöer

   
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